Was ist Systemische Therapie?

Es gibt eine schöne Übung, die den Ansatz der systemischen Therapie gut wieder spiegelt:

Mehrere Menschen (z.B. 20) versammeln sich auf einem 30x30m großem Feld. Jeder bekommt die Aufgabe sich still und leise zwei Personen herauszusuchen, mit denen er ein Dreieck innerhalb dieses Feldes bilden möchte. Wenn sich alle zwei Personen herausgesucht haben, muss sich die ganze Gruppe so lange bewegen, bis alle mit „ihren“ Personen im richtigen Winkel stehen. Was auf den ersten Blick unmöglich scheint, funktioniert tatsächlich. In ein paar Minuten steht alles.

Wenn sich nun einer in diesem System wieder anfängt zu bewegen und seine Position ändert, müssen sich die übrigen auch neu positionieren.

Dieses Beispiel lässt sich auf jeden Menschen und seine persönlichen Systeme übertragen. Er ist nicht allein, sondern in ein System eingebunden, wo ständig Wechselwirkungen stattfinden, dass Eine das Andere bedingt. Nichts ist isoliert zu betrachten.

Dieses Prinzip ist nicht nur auf „äußere“ Beziehungen zu übertragen, sondern auch auf innere Prozesse. Auch hier stehen die unterschiedlichen „Anteile“, die unterschiedlichen Erfahrungen und Charaktereigenschaften in einer Beziehung zueinander.

Wenn nun ein Mensch Probleme hat, kann man davon ausgehen, dass dieses Problem nicht isoliert zu betrachten ist, sondern ein Ausdruck dafür ist, dass etwas in dem System nicht stimmt. Die Aufgabe ist nun herauszufinden, was nicht stimmt und wie man das System verändern muss, damit sich das Problem wieder löst.

Um dieses Ziel zu erreichen, werden unterschiedliche Methoden angewandt, die alle einem bestimmten systemischen Grundsatz folgen:

  • Jeder Mensch trägt die Lösung seiner Probleme in sich. Die Aufgabe des Therapeuten ist also nicht, Lösungen für den Klienten zu finden, sondern ihm dabei zu helfen, seine eigenen Lösungen zu entdecken. Der Vorteil dieser Vorgehensweise ist, dass die selbst gefundenen Lösungen oft eine wesentlich nachhaltigere Wirkung entfalten, als „vorgesetzte“ Lösungen.
  • Es wird ziel- und lösungsorientiert gearbeitet. Das bedeutet: Es wird zwar auch auf die Ursachen von Problemen geschaut, aber der Fokus richtet sich mehr auf die Ressourcen, auf das was geht, was funktioniert und wie man es ausbauen kann.
  • Therapie kann auch schnell gehen und spielt sich im Durchschnitt in einem Rahmen zwischen einer und 15 Sitzungen ab.